Die Spielberichte der Landesliga


SC 1903 Weimar vs. USV Jena II (A)0 - 5
VfB Schönewerda (N) vs. FSV 1921 Uder1 - 0
SV Germania Ilmenau vs. SG Lengenfeld/Effelder4 - 0
SV Motor Altenburg (N) vs. FC Lok Saalfeld1 - 4
SG Hermsdorf/Eisenberg vs. FSV Grün-Weiß Stadtroda (N)2 - 1


Landesliga

SC 1903 Weimar vs. USV Jena II (A)
0 : 5



Kampf gegen ein Debakel  u n d  wie sich Steffi erstmals Stulpen überstreifte

Das heiß ersehnte Duell (von meinen Spielerinnen wohl eher nicht ersehnt…) mit den von mir getauften Ligaprimissimae aus Jena brachte ein Novum mit sich: Kuchi, im vorigen Jahr noch in Lohn und Brot von unseren Farben gab sich ein Stelldichein als Gäste-Coach auf dem Lindenberg, den er seit mehr als 20 Jahren seine Heimstätte nennt. Dieses für ihn und uns ungewohnte Gefühl wird wohl die Einmaligkeit nicht übersteigen, zeigen sich seine im Durchschnitt gerade einmal 20,0 Jahre jungen Talente als dermaßen dominant, dass eine Information an den Kicker durchaus dazu führen könnte, dass die Truppe um Kapitänin Dana Walther als beste Landesliga-Mannschaft Deutschlands bezeichnet wird.

Und diese Dominanz hatte man wohl im Jenaer USZ auch am vergangenen Mittwoch in den Mannschaftskoffer gepackt, denn von Beginn an geschah das, was alle erwartet hatten: Einbahnstraßenfußball in Richtung des Tores, welches von Franzi gehütet wurde, die extra ihren Dienst für ihre Beteiligung verschoben hatte. Das Nahziel sollte lauten, vielleicht einmal eine Halbzeit die eigene Null stehen zu lassen und somit die scheinbar übermächtigen Gegnerinnen in die Verzweiflung zu treiben. Kuchi wird seinen Leuten sicher auch die Vorzüge unserer Abwehrleistung nahe gebracht haben. Ein Leichtes ist es ja nicht, gegen uns jubeln zu können…

Die ersten 20 Minuten verstanden wir es sogar recht gut, die Angriffswogen rechtzeitig vor der beginnenden torgefährlichen Zone zu glätten. Unsere dem guten alten Catenaccio nicht ganz unähnliche Hinspieltaktik mit doppelter Außensicherung, die auf der linken Seite (Romy, Soapy) außerordentlich, auf der rechten Seite (Elli, Maria) allerdings nur bedingt gut funktionierte, sollte auch heute ihre Wirkung nicht verfehlen: Den kreuzgefährlichen Stürmerinnen Julia Bätz/Judith Kirchner standen meist mindestens zwei Kräfte gegenüber. In dieser Phase des Spiels gelang es uns dadurch immer wieder eine Überzahl in Ballnähe erzielen, die ein Durchkommen beinahe gänzlich verhinderte.

Die verstärkte letzte Zone (mit fünf Akteurinnen!) verursachte in Verbindung mit der Doppel-6 (Ml und Antje) freilich eine chronische Unterbesetzung der vordersten Front, in der sich Anne P., Mareen und in ganz besonderem Maße Melli (teils solo gegen die Jenaer Viererkette) mit einer Übermacht an Gegnern auseinanderzusetzen hatten. Aber Mareen verstand es das ein oder andere Mal glänzend, sich über links durchzusetzen. Auf diese Weise hatten sogar wir die erste Mini-Chance im Spiel: nach einem langem Steilpass auf sie kam sie an der linken Strafraumgrenze zum Flanken und erreichte damit Antje, die allerdings den Ball aus 7-8 Metern Torentfernung dem Ball nicht die entscheidende Richtungsveränderung geben konnte (8. Minute).

Derlei Nadelstiche hätte es in größerer Zahl bedurft, wenn wir uns den Punktetraum hätten erfüllen wollen. Stattdessen nahm der Druck aus den Reihen der Jenaer Elf immer mehr zu, was zur Folge hatte, dass unsere eigentlich proklamierte Abwehrzone (Mittel- bis Strafstoßkreis) vertikal zusehends schmolz bzw. sogar in den eigenen Strafraum hineinreichte. V. a. nach Standardsituationen rückten wir zu langsam und unentschlossen aus der Tiefenstellung hinaus. In der Kombination mit den überhasteten Befreiungs- und Abschlägen, in deren Folge wir keinen einzigen Ball sichern und die Saale-Kickerinnen den nächsten Angriff initiieren konnten, war das der Nährboden für gegnerische Tormöglichkeiten. Franzi reagierte einige Bälle prächtig, offenbarte aber auch Konzentrationsschwächen, die man sich gegen den USV eben nicht erlauben sollte. Doch weiterhin hatte das torlose Remis Bestand, und gerade zu dem Zeitpunkt, als wir uns wieder ein kleines bisschen Luft verschaffen konnten, als wir mit einem Ballbesitz in des Gegners Hälfte aufgerückt waren und selbst angriffswirksam hätten werden können, da sorgte in der 28. Spielminute ein Konter (!!!) für den Führungstreffer der Gäste.

Ausgerechnet ein Konter. Da standen wir die ganze Zeit tief in unserer Abwehrzone und ließen fast nichts zu, da fiel ein Kontertor… Arrrrr…. Ein billiger Ballverlust – alle Beteiligten wissen von wem, sodass ich den Namen der Öffentlichkeit nicht kundtun muss –, führte zu einer langen Diagonalverlagerung in den Lauf von Jenas erfolgreichster Schützin Judith Kirchner. Diese konnte von Romy zwar daran gehindert werden, in den Strafraum einzudringen, kam jedich dennoch mit dem linken Fuß zum vermeintlich ungefährlichen Abschluss kam (mehr Flanke als Torschuss). Franzi fehlten in dieser Situation 10 cm an Körpergröße, wodurch der Ball über sie hinweg fliegt. Die Freude über das Glück, dass die Querlatte Pate stand, währte hingegen nur einen Hauch einer Sekunde, denn Julia Bätz gelang es in artistischer Manier, per Fallrückzieher doch noch an Franzi vorbei zu vollstrecken.

Schade, Mist, verdammt.

Realistisch betrachtet sollte es fortan nur noch darum gehen, das Ergebnis in Grenzen zu halten. War doch irgendwie nicht davon auszugehen, dass der zehntstärkste Landesliga-Angriff (für Literaturexperten: Vorsicht: Euphemismus) gegen die nur zweimal (beide Minustore [toller Begriff!] gegen Wechmar, darunter ein Foulstrafstoß) bezwungene Gäste-Torfrau Laura Kiontke, die vor geraumer Zeit beinahe in unserem Lager gelandet wäre, wenn nicht Erfurts Trainer-Fuchs Wolfgang Nagorsky seine (lukrativeren) Fühler nach ihr ausgestreckt hätte (vielleicht versprühte er neben seinen berühmt-berüchtigten Gerüchen auch ein wenig mehr Charme als Ludwig Becker und ich…), trifft. (Ich liebe meine Schachtelsätze mit ständigen Parenthesen!)

Spätestens mit dem zweiten Tor, welches Judith Kirchner nur 400 Sekunden darauf schoss, als sie Maria am linken Strafraum düpierte und Franzi den harmlosen Halbflugball durch die Hosenträger rutschen ließ, waren sämtliche Messen für unsere an diesem Tag gelb-blau-gelb (Achtung, Werbung: Kauft Eure Autos nur bei Auto-Schmidt in der Rießner Straße!) gekleideten Mädels gesungen.                  

Halbzeit. Zeit zum Durchschnaufen in diesem ungleichen Duell gegen ein Team aus Jena II, das wohl nach der eigenen Ersten inzwischen wohl wieder die zweitbeste Thüringer Mannschaft darstellt – den endgültigen Beweis könnten sie mit dem Pokalsieg und Regionalliga-Aufstieg perfekt machen.

Uns allen war bewusst, dass bei nachlassendem Einsatzwillen und mangelnder Disziplin ein Debakel im Bereich des Möglichen war. Alle sollten also weiterhin jeden Zweikampf so führen, als hänge genau davon das Resultat ab. Und, selbst wenn wir es immer wieder vergeblich taten, wir liefen wie der sprichwörtliche Hase um unser Resultat. Wir blieben aber unfreiwillig, wie schon in der Hinrunde, unserem Motto treu, uns selbst ein Ei ins Nest zu legen. Nach einer scharfen und präzisen Ecke von links nickte nicht Dana Walther ein, wie ich ursprünglich meinte gesehen zu haben, sondern es war eine von uns, die unglücklicherweise getroffen hatte (49.).

ML, die sich zuvor mit Bravour um Jenas Auswahlaktive und Dreh- und Angelpunkt Theresa Müller gekümmert hatte (O-Ton ML: „Soviel wie heute bin ich noch nie gelaufen!“), zog sich zu allem Überfluss eine Adduktorenzerrung zu und musste nach etwas mehr als einer Stunde zugunsten von Clara ausgewechselt werden. Anne P. rückte daraufhin etwas weiter nach hinten und Clara versuchte sich auf vorderer Front.

Das Ergebnis konnten wir halten, obwohl sich Jena immer weiter um Tore bemühte. Kritisch zu bemerken ist, dass wir weiterhin trotz einer hohen Balleroberungsquote nicht in der Lage waren, den Ball ein oder mehrere Stationen in den eigenen Reihen weiterzuleiten. Kaum hatten wir das Streitobjekt erkämpft, ging es auch schon wieder verloren. Mareens Einzelaktionen tendierten ob des mit Hingabe praktizierten, gleichwohl unheimlich kräftezehrenden Defensivarbeit genauso gen Null wie Mellis läuferische Wunderleistung irgendetwas Zählbares einbrachte.

Franzi, die sich häufiger in dieser Saison mangelnder Prüfungen gegenübersah, hatte gleich mehrfach die Gelegenheit zu beweisen, dass sie zu einer richtig guten Torfrau geworden ist. Sie machte einige Großchancen zunichte und bewahrte uns vor weiteren Gegentreffern. So auch in Spielminute 72, als sie mit einer Super-Parade den Schuss der völlig freien Elisa Müller entschärfte. Aber diese Szene zeigte exemplarisch eine unserer entscheidenden Schwächen dieses Spiels: Wir hatten den Ball vermeintlich erfolgreich abgewehrt und ließen die Konzentration fahren. Nicht anders ist es zu erklären, dass der abprallende Ball von uns nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte und stattdessen vor den Füßen von Julia Bätz landete, die keine Mühe hatte, ins Tor einzuschieben.

Kurz darauf ging es auch bei deren ständigem Schatten Elli nicht mehr. Ihre Leistung kann man eigentlich gar nicht hoch genug mit Worten einschätzen, hatte sie doch wegen ihres in Ilmenau endgültig lädierten Sprunggelenks seit dem 4. März keinen Ball mehr vor bzw. zwischen den Füßen. Sie hatte praktisch aus der „Kalten“ gespielt – und das in ihrer Kapitänsrolle mit vorbildlichem Einsatz gewohnt zuverlässig getan.

Für sie durfte erstmals Steffi Patermann, die gegen Saalfeld zwar im Kader, aber noch nicht auf dem Rasen stand, ihre Stulpen hochkrempeln. Ich schaute ihr dabei ganz genau zu. 

Im Gegensatz zu einem ehemaligen Gastspieler aus Brasilien (für Kenner des Lindeberg-Fußballs: sein Name war Osmar Machado), der anno 1991 für kurze Zeit aus Augsburg an die Ilm gewechselt war und die Schienbeinschoner über die Stulpen streifte, machte sie dabei alles richtig, was sie dann auch in ihrem ersten Match für uns – und das gleich gegen den designierten Thüringen-Meister – insgesamt auch tat. In solchen Spielen werden Helden geboren, sagte ich zu ihr. Die gelernte Defensivspezialistin durfte gleich in die mir heilige Innenverteidigung, die ansonsten mit den langjährig erfahrenen Ikonen auf dem Gebiet der Zweikampfgestaltung besetzt ist. Und sie machte ihre Sache gegen die bis dato bereits zweimal erfolgreiche Julia Bätz sehr ordentlich. Mit dem kleinen Tipp, sich stets auf der inneren Linie zu befinden, wird es in Zukunft noch schwerer ein Vorbeikommen an ihr zu erreichen.   

Als wir uns – und auch das ist eine Parallele zum Spiel vom 10. Dezember letzten Jahres – mit dem Dritteldutzend abgespeist meinten, passierte im vorletzten Uhr-umlauf wiederum ein vermeidbares Tor. Mit diesem 0:5 konnte sich auch Judith Kirchner doppelt in die Torschützenliste eintragen.

Doch es war noch nicht vorbei. Franzi musste nur wenige Augenblicke später noch einmal Kopf und Kragen riskieren, als sie sich in spektakulärer Manier in einen Schuss aus – gottlob spitzen Winkel – warf.

Aber dann, in der ersten Nachspielminute kam sie doch noch: die eine Chance, die wir uns ob des engagierten und nimmermüden Einsatzes verdient hatten: Mareen erkämpfte in Höhe Mittellinie den Ball, spielte in den Lauf von Clara, die 18 Meter vorm Tor leider etwas überhastet den Ball nicht voll traf. Wenn sie bei dieser Aktion etwas mehr Ruhe gehabt und die völlig frei stehende Melli quer bedient hätte, die dann wohl das leere vor sich gehabt hätte, wäre doch noch der Ehrentreffer gefallen. Aber das bleibt Hypothese, und der Spielstand von 0:5 wurde zementiert. Sicherlich ging der Sieg auch in dieser Höhe in Ordnung, da gab und gibt es sicher keinerlei Diskussionen; zu krass waren wir unterlegen. Mit etwas mehr Glück, etwas mehr Cleverness und einem Fünkchen mehr Mut wäre aber auch ein freundlicheres Ergebnis möglich gewesen.     

Und ein langes Palaver darüber gab es eh nicht, da ja die nächste Aufgabe, die nicht minder schwierig sein würde, bereits mit dem sonntägigen Match in Wechmar (Tabellenzweiter) auf uns wartete…             

                                                                                                            Euer Müllex

 

Aufstellung: Wabner – Vopel – Weinert, Haase (ab 78. Patermann), Ahner, Biskop –  von Thaler (ab 64. Hoffmann), Landgraf – Platzdasch, Dietrich – Theile-Müller   

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