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Landesliga

SC 1903 Weimar vs. VfB Schönewerda
8 : 0

“Ihr seid die Mannschaft der Rückrunde!“, zollte mir Wolfgang Itting, Teammanager vom FC Lok Saalfeld, nach dem Punktgewinn in Bad Langensalza jüngst seinen Respekt.
Und er hat nicht unrecht, denn nach der Niederlage in Uder, die an jenem Tag unter den im letzten Bericht erwähnten Umständen wohl nicht vermeidbar war, gelang es zunächst die SG Lengenfeld/Effelder mit 5:0 vom Lindenberg zu fegen (Tore: 2xElli Haase und je einmal Sandra Busch, Denise Csincsura sowie Clara Hoffmann), woraufhin die enorm dezimierte SG ihren sofortigen Rückzug aus der Landesliga ankündigte und nach Wochenfrist auch amtlich machte. In der Folge standen zwei Partien gegen zwei Liganeulinge binnen 38 Stunden an: zum einen das direkte Duell 11. vs. 10., in Worten: Weimar gegen die SV Jena-Zwätzen, und zum anderen das letzte Auswärtsmatch auf dem Sülzenberg in Bad Langensalza beim auf Platz vier positionierten besten Aufsteiger.
Dabei konnte am Freitag-Abend ein voller Erfolg gefeiert werden, wobei das Hinspielresultat von 2:0 nicht nur wiederholt wurde, sondern wir uns es dieses Mal auch verdient hatten. Im Herbst letzten Jahres siegten wir in Jena ja wirklich nur äußerst glücklich. Das Allrounderin Elli Haase, die derzeit in fast jedem Spiel auf einer anderen Position zum Einsatz kommt und dabei überall eine gute Figur abgibt, erneut 2 Buden machte, zeugt von ihren immensen Qualitäten.
Aber auch alle anderen gaben ihr Letztes und ließen auch in der zweiten Hälfte, als bei der sicheren Führung und in Ermangelung Jenaer Chancen vielleicht schon der zu erwartende heiße Sonn(en)tag mit der schweren Aufgabe in der Heimatstadt des THC im Kopf der ein oder anderen Spielerin seine abendliche Schatten vorausschickte, nichts anbrennen und gaben bis zum Abpfiff Vollgas. Dabei war mit Sicherheit auch der mit 15 Spielerinnen bestens gefüllte Kader und die sich daraus ergebenden Substitutionen ein wichtiger Garant sowohl für den Sieg über Jena, die ob etlicher gesundheitlich und verletzungstechnisch angeschlagener Akteurinnen der Schlussphase auf dem Zahnfleisch krochen, als auch für die konditionelle Glanzleistung in Bad Langensalza, die wir zur Erreichung unseres Nahzieles „ein Punktgewinn“ einplanen mussten.
Dort waren die Körner nämlich auch deswegen so wichtig, da aufgrund diverser Absagen plötzlich nur noch zwei Ergänzungsspieler parat standen. Beide sollten jedoch an diesem Tag den kleinen aber feinen Unterschied ausmachen!
Wie durch die Wetterdienste prognostiziert sandte Sonnengott Sol seine unerbittlichen Strahlen über die volle Zeit auf unsere Köpfe, sodass Oschi, der es sich auf einer Decke gemütlich gemacht hatte, und auch ich selbst, der in weniger entspannter Pose i. R. Süden (ergo i. R. Sonne!) am Spielfeldrand auf und ab tigerte, nach der Begegnung neben einem gepflegten Sonnenbrand vielleicht auch eine kleine „Klatsche“ hatten, die aber vielleicht auch positiv kausal attribuiert werden konnte, da sie meine Mädels in Form einer Niederlage eben gerade nicht bekamen. (Wow, vielleicht braucht man besser doch ein Wörterbuch! An dieser Stelle übrigens ein kurzer Exkurs: Vielen Dank an Jan Hanke, Zitat: „Der Artikel ist mir zu lang.“, und Christian Schulz, „Ich schaffe es auch nicht, zu Ende zu lesen.“, die mit diesen Aussagen das Studium des von mir verfasste Vorwortes zum Lindenberg-Journal abbrachen; wenigstens Kuchi las bis zum Ende und resümierte: „Ja, Jan Hanke, Dir fehlen die BILD-Bunnys, dann hättest auch Du weiter gelesen.“)
Neben der sengenden Hitze trugen auch der Platz, der furztrocken, holperig und teilweise unbegrast war, und der Ball, der mit ca. 5 atü deutlichen Überdruck aufwies und daher auf de harten Geläuf wie ein Flummi sprang, dazu bei, dass kein  
ansehnliches Spiel zustande kam auf beiden Seiten. Die taktische Maßnahme, die vom Zweitbundesligisten FC Erzgebirge Aue in die Thüringer Kurstadt gewechselte Nadine Päßler, die im Hinspiel „Was-willst-du?“ mit uns gespielt hatte (Der Endstand von 0:3 dereinst schon nach 25 Minuten hergestellt.), konsequent zu doppeln, war zwar enorm kraftraubend aber exorbitant effektiv: Denise Csincsura und Elli Haase, in Synergie schnell, kopfballsicher und zweikampfstark, ließen ihr kaum einen Zentimeter Raum, und mehr als zwei bis zweieinhalb gute Pässe sprangen für die bei der Thüringer Hallenmeisterschaftsendrunde zu einer der beiden besten Spielerinnen gekürten Ausnahmekönnerin nicht heraus. Gut gemacht, Elli und Denise! Doch sie allein hätten nicht dafür sorgen können, dass wir bis auf eine Szene zum Auftakt, als Franzi einen Ball gerade noch einen Querpass vor einer einschussbereiten Gastgeberin zur Seite klären konnte (Ausgangspunkt war ein Zuordnungsfehler im Rückwärtsgang), nichts zuließen, was die Bilanz des bestplatzierten Liga-Newcomers weiter verbessert hätte. Alle lieferten eine läuferisch-kämpferisch überzeugende Leistung ab, der freitäglichen Vorbelastung zum Trotz.
Stattdessen hatten wir in Hälfte eins sogar die hochwertigeren, wenn auch nicht 100%igen Chancen durch Distanzschüsse von Elli, Maria und Sandra. Die Torfrau der Gastgeberinnen hatte da ihre liebe Müh` und Not, die Ecken schnell genug zu erreichen. Sie wirkte verwundbar und das erkannten wir und hielten immer wieder auch aus dreißig Metern aufs Gehäuse drauf. Probleme bereiteten uns dann allerdings die weiten Abschläge, die, sofern wir sie nicht aus der Luft blocken konnten, zu Schwierigkeiten in der Ballannahme führten. Dabei offenbarten einige wiederholt Defizite in der Beherrschung hoher Bälle. Wiederum standen wir unter dem Ball und ließen das Leder passieren. Im Gegensatz zum Uder-Spiel konnten die Bad Langensalzaerinnen aber keinerlei Kapital daraus schlagen, zu ähnlich waren deren Probleme.
Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag, einer großen Chance für den Tabellenvierten, die Franzi aber sicher vereiteln konnte. Dennoch verlagerte sich das Spiel deutlicher in Richtung unseres Kastens, ohne dass zunächst weitere Tormöglichkeiten ergaben. In der Halbzeit hatte ich noch einmal betont, dass wir es unterlassen müssen, auf Abseits zu spielen, aber in der 62. Minute, exakt 90 Sekundenticker nach der Einwechslung von Melli Theile-Müller für Maria Weinert, wurde uns genau dieses „Auf-Abseits-Gespiele“ zum Verhängnis, als ein weiter hoher Ball vor unserer Abwehr aufsetzte und über sie hinweg sprang. Tatsächlich stand dabei eine BaLasa-Stürmerin unserem Tor näher als unsere Abwehr, aber sie griff nicht ins Geschehen ein. Ein regeltechnischer Feinschliff meiner Spielerinnen hätte passives Abseits erkennen lassen. Wir jedoch blieben für einen Sekundenbruchteil stehen und monierten anstatt weiter zu agieren. Dieser Nu genügte und selbst Franzi konnte dann die 1:1-Situation nicht mehr für sich entscheiden: 0:1. Ärgerlich, da nicht unbedingt verdient.
Ganz ehrlich, ich gab in diesem Moment nur noch einen Mini-Pfifferling auf mein Team. Zu groß schienen die Strapazen. Aber die Elf setzte nach dem Tausch von „KF“ Förster für die vorbildlich rackernde Clara Hoffmann alles auf eine Karte, und ihr war dabei zupass, dass der Gastgeber die magere Führung nur noch verwalten wollte. Das Spiel verschob sich zunehmend immer tiefer in dessen Hälfte. Die erste verheißungsvolle Gelegenheit initiierte KF, indem sie ins rechte Strafraumeck einbrach und eine scharfe Eingabe vors Tor trat, an der Elli nur knapp vorbeirutsche. Aber ebenjene Szene hatte eine gleichrangige Signalwirkung wie die Schiedsrichterentscheidungen, mit denen wir, na ja sagen wir einmal diplomatisch, nicht gerade bevorteilt wurden, ach Quatsch, Scheiß-Diplomatie: übervorteilt wurden: zwei lächerliche gelbe Karten für Denise und kurz vor dem Ende für KF, die uns Platz 
eins in der Fairplay-Wertung kosteten, nicht geahndete Foulspiele gegen uns, aber nicht nachzuvollziehende Foul-Beschlüsse gegen uns. Dadurch waren einige von uns mächtig aggro (Stimmt`s, Elli und Romy?), was uns vielleicht trotz zur Neige gehenden Kräften vielleicht das Quantum Energie verlieh, dessen wir bedurften, um den Kampf gegen die Niederlage erfolgreich zu bestehen.
JAAAAAAAAA, wir bestanden den Kampf!!! Über mehrere Stationen spielte Sandra von Linksaußen eine Bogenlampe über die Abwehr, welche KF artistisch mit der rechten Mauke in den „Fünfer“. Die Torfrau wurde dabei überlupft und Melli konnte vor einer Verteidigerin das Leder aus einem Meter mit der Schulter ins Tor bugsieren. Kein Treffer der Marke „Tor de Monats“, aber wen juckte es? Drin war drin, und nur das zählte (84. Minute). Bad Langensalza fehlte wohl Kraft und Wille, ein echtes Aufbegehren gegen das Remis war beim Favoriten in der Schlussphase nicht erkennbar. So richtig konnten aber auch wir nicht mehr, der Kräfteverschleiß war deutlich. Dennoch hätten wir in der Schlussminute bei einer Ecke von Maria noch einen vollen Triumph feiern können, aber das Getümmel im Strafraum verstrich ungenutzt. Der Punktgewinn war für beide verdient und daher gerecht. Die Heimfahrt mit dem obligatorischen Milchshake bei Mc D. war entsprechend fröhlich.
Und dann sollte der VfB Schönewerda auf den Lindenberg kommen. Ein Gegner, vor dem ich ob seiner guten bis sehr guten Leistungen und Resultate der Rückrunde eine gehörige Respekt und zuweilen sogar etwas Angst vor einer eventuellen Blamage hatte. Gegen das Schlusslicht und feststehenden Absteiger waren wir seit Ewigkeiten wieder einmal klarer Favorit. Es konnte also eigentlich nur schiefgehen.
Die vorbereitende Einstimmung und Einstellung der Mannschaft war ungewöhnlich kurz, aber intensiv: „Volles Rohr!“ war die Parole, nur die eigene (Mannschafts-)Leistung sollte wichtig sein, nicht die des Gegners. Am besten wieder eine frühe Führung (zuletzt zweimal gefordert, zweimal erfolgreich umgesetzt).
Aber die ersten Minuten boten Angsthasenfußball pur. Meine Emotionen hatten sich auf die Truppe übertragen. Passivität und Reaktion statt Aktion und Mut prägten das Bild der ersten Minuten. Die viel zitierte erste Aktion hatte der Gast, als eine Kopfballabwehr von Melli Theile-Müller acht Meter vor dem eigenen Tor herunterkam und vor die Füße einer Schönewerdaerin fiel, die sich bedankte und draufhieb. Maria, die summa summarum die verhinderte Franzi ordentlich vertrat und praktisch fehlerlos blieb, lenkte den Ball zunächst an den Pfosten und darauf zur Ecke (4. Min.), die zum Glück verpuffte.
Es gab kein kontrolliertes Spiel, ich war schon wieder auf 180, tobte und fluchte und machte es dadurch auch nicht besser (SELBSTKRITIK!!!). Und doch: es gibt auch im Fußball immer wieder eigenartige Fügungen des Schicksals: kluger Steilpass von Elli auf Mareen (Abseits? Das Video bietet wohl auch keine definitive Aufklärung.), die dann mustergültig vor der Keeperin quer auf die mitgelaufene Sandra legt, welche keine Mühe mehr hatte, das leere Tor zu treffen(10.).
Unser Spiel freilich wurde fortan nicht besser. Schönewerda setzte uns mit seinen begrenzten, aber effektiv eingesetzten Mitteln gehörig zu, ohne aber zu gefährlichen Abschlüssen zu kommen. Der Gipfel dann nach exakt einer halben Stunde: Melli trifft nach toller Einzelaktion von Mareen und Querpass vor der Torfrau aus drei Metern das leere Tor eben nicht, sondern nagelt den EM-Ball übers 15qm-Tor. Unfassbar. Ich war reif für die Klapse.
ABER: Dies war der positive Knackpunkt, denn in der Folge boten wir 60 Minuten guten Fußball und schraubten das Resultat dann auch verdient in die Höhe, sodass der nie aufsteckende Gast mit der zweithöchsten Saisonniederlage (nur Uder traf

beim 9:0 häufiger) abgefertigt wurde.
Noch vorm Pausentee trafen 2xMareen, nach toller Einzelleistung mit „Mords-Granate“ (37.), bei der die Torfrau fleißig mithalf und per technisch feiner Direktabnahme einer scharfen Sandra-Eingabe am kurzen Pfosten (41.), und nochmals Sandra nach unnachahmlichem Solo aus der eigenen Hälfte heraus mit wuchtigem Schuss (44.).
Zur Pause dann laute Worte meinerseits, die, wie ich hörte, sogar ihre Auswertung in diversen Aldi-Märkten fanden. Auf den ersten Blick bei einem 4:0 zur Halbzeit vielleicht unverständlich, aber aufgrund der Leistung im ersten Spieldrittel aus meiner Sicht nicht unangebracht. Ich forderte eine gute Leistung bis zum Ende, denn nicht allein das Ergebnis zählte für mich. Auch wenn das für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar ist.
Aber die Mannschaft verstand meinen Ausraster und knüpfte an die letzten 15 Minuten an. Auch die Auswechslungen, nach denen einige Positionen begleiteten, die für sie völlig ungewöhnlich (Clara) oder neu waren (Lydia mit Debüt, in Minute 87 fast mit einem Tor gekrönt), taten im Spielfluss des zweiten Durchgangs keinen Abbruch: Die Tore fielen zwangsläufig: 5:0 Melli (50.) nach verunglücktem Magdalena-Dworschak-Schuss, 6:0 Mareen (67.) nach feinem Dribbling und Linkshammer ins kurze Eck, 7:0 KF (76.) nach 60-Meter-Befreiungsschlag (!) von ML von Thaler und zum Abschluss: 8:0 Melli nach gefühlvoller Flanke von KF auf den zweiten Pfosten per Direktschuss in die lange Ecke.

Zehn Punkte am Stück und vorerst Platz 7, wer hätte das vor vier Wochen gedacht: ICH. Euer Müllex


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