Die Zeit von 1906 bis 1919

Wir schreiben das Jahr 1906, sind inmitten der Wilhelminischen Zeit. Die sich entwickelnde Industrie wird im Vogtland, und ganz speziell auch in Auerbach, von der Textilproduktion bestimmt. In dieser Gründerzeit taucht auch der Name Seidel unter den Geschäftsleuten verstärkt auf. Drei Brüder führen die Geschäfte ihres Vaters weiter. Das Möbelzentrum Ernst Seidel, heute noch sehr eng mit dem VfB Auerbach verbunden, geht in seinen Wurzeln auf noch mehr als 10 Jahre vor die Vereinsgründung zurück.

Der Fußballsport, aus England kommend, findet auch immer mehr Verbreitung in Deutschland. Er paßt zwar noch nicht ganz in das gesellschaftliche Bild der damaligen Zeit, aber sein Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten. In Auerbach folgten im Mai 1906 zirka 15 Herren einer Aufforderung der "Auerbacher Zeitung". Dort wurde am 17.05.1906 wie folgt announciert: "Bessere Herren, welche gesonnen sind, einen Fußballklub mitzugründen, werden gebeten, sich am Donnerstag, dem 17. Mai im 'Hotel Kaiserhof' einzufinden."

Die Einberufer und damit die geistigen Urheber sind die Herren Edy Härtling, er wird am gleichen Abend zum 1. Vorsitzenden gewählt, Carl Günther - ihn bestimmt man als ersten Schriftführer -, Erich Gugel übernimmt die Funktion des Spielwarts, sowie Paul Liebmann. Nach Plauen ist damit Auerbach die zweite Stadt im Vogtland, in der ein Fußballverein gegründet wurde. Als Auerbacher Fußballclub AFC nimmt man am 15.07.1906 den Spielbetrieb auf. Mit einem 7:1 gegen die 2. Mannschaft des Plauener Ballspielclubs verläuft die Premiere verheißungsvoll. Unter der Rubrik "eingesandt" findet die Idee der Vereinsgründung in der "Auerbacher Zeitung" Anerkennung: "In der gestrigen Nummer dieses Blattes wurden Herren, die gesonnen sind, einen Fußballclub mit zu gründen, gebeten, heute abend im 'Hotel Kaiserhof' zu erscheinen, und erlaube ich mir hiermit als Sportsfreund, an die Herren, die Interesse an der Sache haben, einige Worte zur richten. Man müßte eigentlich annehmen, daß bei dem schönen Frühlingswetter diese gute Idee unterstützt würde, bedenkt man, daß viele junge Herren des Tags über die körperliche Ausarbeitung entbehren müssen; darum ist es sehr gut, wenn sie am Abend Gelegenheit haben, sich im Freien zu bewegen. Der Fußballsport wurde am Anfang als ein rohes Vergnügen betrachtet und die Meinung davon war nicht die günstigste. Erst nach und nach, durch Wettspiele, die zwischen den Klubs verschiedener Städte und Staaten veranstaltet wurden, wurde nicht nur Interesse sondern sogar Begeisterung dafür gewonnen, und man kann jetzt in fast jeder Zeitung Resultate von Fußballspielen lesen. Auch ist in Deutschland ein Verband, der die angesetzten Wettspiele überwacht und einen sogenannten Schiedsrichter stellt. Diesem Verband fällt auch die Aufgabe zu, die Klubs in verschiedene Klassen zu teilen. um zu vermeiden, daß bei Wettspielen (die zuvor angemeldet werden müssen) ungleiche Spielmannschaften gegenüber stehen. Der Fußballsport bietet eine reiche Abwechslung und wünsche ich den Herren, die diesen Sport in unserer Stadt ins Leben zu rufen gedenken, ein gutes Gelingen." (Artikel von A. Strebnow)

Die ersten Spiele des AFC



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