Chronik 200810. Februar 2008 KFVA Altenburgerland


100 Jahre Fußball in Altenburg

von Reinhard  Weber


2008 ist für den Altenburger Fußball ein denkwürdiges Jahr. Vor 100 Jahren, am 12.Mai 1908 ,gründeten einige Studentendes Altenburger "Technikums" und mehrere junge , sportfreudige Altenburger den Fußballklub "Sparta", der zuerst zwischen 18 und 25 Mitgliedern hatte.


Gegenüber anderen deutschen Städten hielt damit König Fußball in Altenburg recht spät Einzug. Das läßt sich darauf zurückführen, das Altenburg damals mehr Beamten-und Bürgerstadt war und weniger Industrie besaß.Vom Bürgertum wurde damals über den noch "jungen Sport", der aus England, dem "Mutterland" des Fußballs auf den europäischen Kontinent schwappte, recht spießbürgerlich geredet, er wurde diffamiert und als nicht "standesgemäß" in der Residenzstadt Altenburg angesehen.


Bereits um die Jahrhundertwende hatten sich in Altenburg einige "wilde Klubs" gebildet, die schon etwas Fußball spielten.

Mit der Gründung von Sparta gab es nun den ersten richtigen Fußball-Verein, der diesen neuen Sport fachgerecht ausübte und seinen ersten Spielplatz auf der damaligen Jahnwiese ( heute Wiese zwischen Gabelsberger Straße und Geraer Straße),

Diese Anlage war somit auch der erste Fußballplatz in der Skatstadt, er bestand in der Zeit von 1908 bis 1918. 30 bis 40 Zuschauer umsäumten damals den Platz bei den Spielen von Sparta, das in dieser Anfangszeit in der 4. Klasse des Gaues Osterland spielte

Bekannte Spieler waren damals Holländer, André und Uhlmann, sowie der aus Halberstadt gekommene Karl Germer, ein Buchdrucker. Dieser war es auch, der als Platzmeister agierte, Schiedsrichter war und sich in der Folgezeit nach dem 1. Weltkrieg auch große Verdienste um den Altenburger Fußball erwarb. Bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges zählte Sparta 40 Mitglieder. Durch den Krieg 1914-18 wurde Sparta, wie viele Vereine in Deutschland, dezimiert und in der Entwicklung zurückgeworfen. Sparta ging jedoch sofort nach dem 1. Weltkriegan die Wiederaufnahme des Sports, wobei besonders die Jugendzur sportlichen Betätigung drängte. Neben Sparta gab es noch den Verein Germania. Beide Altenburger Vereine fusionierten dann 1919 und gaben sich den Namen Eintracht 08 Altenburg. Die Bezeichnung 08 geht auf die Gründung des Vorgängervereins Sparta von 1908 zurück. Damit kann die Geburtsstunde des Altenburger Fußballs mit 1908 angesehen werden. Altenburg feiert damit 2008 100 Jahre Fußball. Eintracht zählte nun schon 140 Mitglieder, es setzte ein lebhafter Spielverkehr ein.Das Interesse des Publikums wurde immer größer. 5 Herren-, 2 Jugend und eine Senioren-Mannschaft nahmen regelmäßig am Spielverkehr teil. Eintracht errang 1920 die Abteilungsmeisterschaft der 3. Gauklasse und stieg damit als erster Verein von Altenburg in die 2. Gauklasse auf. Bald zählte der Verein 280 Mitglieder. Neben Fußball wurden auch Leichtathletik und Faustball betrieben .


Bald musste in Sachen Fußballplatz umgezogen werden. 1918 wurde das Spielfeld an der Gabelsberger Straße in Gärten umgewandelt. Deshalb wurde auf dem Anger ein Sportplatz gebaut. Als Umkleidelokal diente zuerst der Gasthof "Wartburg" auf dem Nikolaikirchhof, wo sich Eintracht bis 1924 umzog. Dann war das Schützenhaus am Anger Umkleidestätte. Die Wirte der Lokale waren daran interessiert, Vereine auf diese Art an sich zu binden. Interessant ist, dass es damals keine fest eingebauten Tore gab. Jeder Verein hatte seine eigenen und baute diese vor dem Spiel auf. Als nächster Sportplatz kam dann die Hellwiese dazu. Nach dem ersten Weltkrieg entstand dort ein Spielfeld mit Aschenbahn und Leichtathletik-Anlage sowie ein Hartplatz. Neuerung war damals die Anbringung von Tornetzen aus Drahtgeflecht.


1928 baute Eintracht 08 Altenburg an der Münsaer Straße, im heutigen Wohngebiet Südost eine eigene Sportanlage mit 2 Spielfeldern und einem Klublokal. Mit der Bebauung in Südost zu DDR-Zeiten wurde diese Anlage abgeschafft und mit Wohnblöcken besetzt. Nach dem 1. Weltkrieg entstand auch noch ein Sportplatz auf dem Plateau, wo Vorwärts Altenburg diesen nutzte und nach dem Krieg die Mannschaft von Altenburg/Nord zuhause war.


Seit Kriegsende 1918 konnte sich Eintracht 08 zum stärksten Altenburger Fußballverein entwickeln. Die I. Mannschaft wurde Gebietsmeister des Ostkreises in der 2. Klasse. Auch die II. Mannschaft kam zu Meisterschaften in der B-Klasse, auch die Mannschaften III. IV und V lagen in ihren Staffeln ganz vorn. Schon damals war Eintracht Altenburg Mitglied im DFB. In den 20/30iger Jahren hatte Eintracht zweifellos seine sportlichen Höhepunkte. Zwischen 1933 und 1936 konnte mehrmals die Ostthüringer Meisterschaft nach Altenburg geholt werden. Nicht selten begleiteten 500-600 Fans ihre Mannschaft zu den Auswärtsspielen. Sogar noch im zweiten Weltkrieg prägte Eintracht das sportliche Bild im Fußball stark mit, bis Anfang 1945 konnte Eintracht den Spielbetrieb aufrecht erhalten.


Neben dem Fußballverein betrieben auch andere Sportvereine zwischen den beiden Weltkriegen den Fußball. So war es in den Turnvereinen üblich, dass Spielabteilungen bestanden, die Fußball spielten. So hatten der MTV Altenburg, der TSV Friesen und VfL Altenburg Fußballmannschaften.


Zwischen den beiden Weltkriegen war es in Deutschland üblich, dass große Vereine ihre eigenen Sportanlagen hatten. So auch beim MTV Altenburg, einem der größten Vereine seiner Zeit.So entwickelte sich in den 20iger Jahren auf einem Grundstück an der Zwickauer Straße der heutige Waldspielplatz. Es war eine Sportanlage von 21000 qm mit 2 Spielfeldern, Tennisplätzen und einem Luft- und Sonnenbad , die 1927 feierlich eingeweiht wurde.1924 erfolgte der städtische Stadionbau an der Zwickauer Straße, das heutige Alte Waldstadion, mit einer 500m-Aschenbahn. Von 1950-57 wurde dann das Neue Waldstadionfür 25000 Besucher daneben errichtet. In seiner bisherigen Geschichte war es zweimal restlos gefüllt. Am 1.Mai 1963 zum 12. DDR-Pokalendspiel zwischen Motor Zwickau und Chemie Zeitz (3:0) und 1969 zum XXII UEFA-Turnier BRD - Spanien (2:1).


Nach dem zweiten Weltkrieg war es in Altenburg ein schwerer Anfang im Fußball. Es bildeten sich wieder Sportgemeinschaften auf kommunaler Ebene. Trotz vieler Schwierigkeiten im Leben, kreisten die Gedanken bei vielen wieder um den geliebten Fußball. In Altenburg -Nord (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Neubaugebiet) fanden sich Fußballer zusammen und bildeten eine Mannschaft unter Leitung von Willi Nolte und Spielertrainer Herbert Klemig. 1946/ 47wurde Altenburg-Nord Kreismeister und stieg in die Ostthüringer Landesklasse auf., wo der Ostthüringer Meistertitel geholt wurde. Als Ostthüringer Meister konnte sich Altenburg dann für die Zonen-Liga, die spätere Oberliga, qualifizieren. Aus den damaligen 3 Gemeinschaft Nord, Süd Ost entstand die Zentrale Sportgemeinschaft (ZSG) Altenburg. In der ersten Oberligasaison 1949/50 konnte Altenburg nach einem Entscheidungsspiel gegen Wismar die Oberliga-Zugehörigkeit sichern.In der folgenden Saison 1950/51 gelang der umbenannten ZSG Stahl Altenburg ein respektabler 11.Platz. Nicht so gut lief es in der Saison 1951/52 , wo der Abstieg in die 1. Liga erfolgte. Aus Stahl war nun Motor Altenburg geworden, der Name , der noch heute für den Altenburger Traditionsverein steht. Motor spielte bis 1957 in der 1. DDR -Liga, danach noch 2 Jahre in der 2. Liga. Ab den 60iger Jahren bis zur Wende wurde meist in der Bezirksliga Leipzig gekickt, zwischendurch auch Intermezzi in der DDR-Liga gegeben. Mit der Wende wechselte Motor Altenburg als SV 1990 in die Landesliga Sachsen, ab der Saison 1991/92 in die Landesliga von Thüringen. Später wurde auch wieder der Traditionsname "Motor" angenommen. Aus der Landesliga musste Motor bis zur Bezirksliga absteigen, ist nun wieder in der Landesklasse aktiv. Im Kreis- und Bezirksfußball war die Stadt Altenburg nach 1945 mit vielen Vereinen vertreten. Einheit Altenburg, heute Bezirksliga, Lok Altenburg , heute Kreisliga, Aufbau Altenburg , heute Kreisklasse, viele Jahre auch im Leipziger und Thüringer Bezirksmaßstab spielend, sind bekannte Vereine mit Fußballabteilungen. Wismut Altenburg war zu DDR-Zeiten ein starker Verein, ebenso jahrelang Dynamo Altenburg mit Heimstätte Plateau. Vor wenigen Jahren gründete sich Roter Stern Altenburg, spielt heute ebenfalls auf Kreisebene. Auch Rotation Altenburg gehörte zu DDR-Zeiten zum Fußballbild der Skatstadt. Diese Vereine verfügten auch über gute Nachwuchsabteilungen, brachten immer wieder Talente hervor.


Nicht vergessen werden darfdie große Zahl von Betriebsmannschaften aus der Skatstadt, die zu DDR-Zeiten bis nach der Wende in der Nichtaktiven-Liga unter Führung des Kreisfachausschusses Altenburgund Hans Müller um die Nichtaktiven-Meisterschaft spielten.

Insgesamt wird deutlich, daß die Kreisstadt Altenburg über große Fußballtraditionen verfügt, Fußballgeschichte im Kreis, Bezirk und Land zweifellos mitgeschrieben hat. Daran sollte zum 100. Geburtstag gedacht werden.

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