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Kreissportbund mit eindeutiger Botschaft

 

Hildburghausen – Der Kreissportbund (KSB) Hildburghausen hat die Vereine im Landkreis in einem Rundschreiben samt Anhang der aktuellen Allgemeinverfügung des Landratsamtes angesichts der gegenwärtigen Corona-Krise nochmals auf die wesentlichen Dinge, auf die es nun ankommt, hingewiesen. Gleichzeitig ruft der KSB jedoch dazu auf, weiterhin sportlich aktiv zu bleiben und an der „Aktion gegen Langeweile" (Freies Wort berichtete) teilzunehmen. Auf der KSB-Facebook-Seite werden derzeit sowohl kleine Unternehmungen in der Natur und Sportübungen als auch Bastelangebote und Rätsel angeboten. Diese sollen die Aktivität wecken, die Zeit daheim überbrücken und von Jung bis Alt neue Anreize setzen. „Bitte informieren Sie darüber Ihre Vereinsmitglieder, besonders die Familien mit Kindern", heißt es in dem Schreiben. Auch wenn die Geschäftsstelle des KSB für den Publikumsverkehr angesichts der derzeitigen Situation bis auf Weiteres geschlossen bleibt, so stehen Ihnen die Mitarbeiter des Kreissportbundes bei Fragen, Anregungen und Wünschen weiterhin zur Verfügung. Ob telefonisch unter 03685/701636, via Fax 03685/ 701637 oder per E-Mail unter info@ksb-hildburghausen.de. Rd

 

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Hildburghausen vom 21.3.2020

 

Vom Leder gezogen

 

Euer Willi Ballermann

 

Und dann kann wieder angepfiffen werden

 

Jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer. Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt – und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!" So kommentierte Herbert Zimmermann, der Held am Mikrofon, den Treffer von Helmut Rahn für Deutschland im Finale der WM 1954 in Bern. Es war der 3:2-Siegtreffer gegen Ungarn. Die zu diesem Zeitpunkt beste Mannschaft der Welt. Nach einer 3:8-Pleite in der Vorrunde gegen jene Ungarn hätte diesen Erfolg niemand  für möglich gehalten. Neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten unsere damaligen Ballermänner endlich wieder Grund zum Jubeln.

 

Der WM-Titel von 1954 wird nicht selten als eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik glorifiziert. Eines kann man definitiv festhalten: Der WM-Erfolg steht exemplarisch dafür, dass wir selbst in scheinbar ausweglosen Situationen, gegen scheinbar übermächtige Gegner eine Lösung finden. Und ein Beweis dafür, dass jeder, aber auch wirklich jeder erdenkliche Rückschlag wieder vorübergeht. Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft hat eine ganze Nation aus dem grauen, tristen Nachkriegsalltag gerissen. Es war ein Märchen, welches Anfang Juli zum Träumen, zum Leben einlud. Drei weitere Male durften wir diesen ganz besonderen Moment erleben, doch auch hier standen die deutschen Kicker auf dem Weg dorthin nicht selten mit dem Rücken zur Wand.

 

Fast 66 Jahre nach dem Wunder von Bern gibt es wieder eine Herausforderung, gibt es wieder einen scheinbar übermächtigen Gegner, der jedoch keine Abwehrspieler schwindelig spielt, keinen Torwart düpiert und keinem Stürmer  ständig den Ball abluchst. Es ist ein Gegner, der uns erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg dazu zwingt, dass Schulen, Behörden und Geschäfte flächendeckend geschlossen werden, dass unser gesellschaftliches Leben stark eingeschränkt wird, und weitere Einschränkungen, wie in anderen Ländern bereits geschehen, noch folgen können. Egal ob die viel zu hoch dotierten Balltreter aus dem Profibereich oder unsere Amateur-Kicker vom Land: Sie alle spielen nicht mehr, trainieren nicht mehr. Fußball, der Sport, spielt zum Schutz der Bevölkerung keine Rolle mehr.

 

Dabei sehnen sich schon jetzt viele nach Ablenkung. Das Thema Covid- 19 verunsichert, macht die Menschen aggressiv und egoistisch. Ob die Hamsterkäufer oder die, die immer noch alles auf die leichte Schulter nehmen: Wenn wir etwas im Moment gar nicht brauchen, dann diese beiden Extreme. Ich will hier weiß Gott nicht den Moralapostel mimen. Glaubt’s mir: Auch ich sehne mich nach Ablenkung, sehne mich nach dem Sport mit dem runden Leder. Aber ein Spiel ist im Moment viel wichtiger. Es ist das Spiel gegen einen unsichtbaren Gegner. Wir müssen defensiver stehen als sonst, müssen auf Zeit spielen. Das macht nicht viel Spaß, aber das ist die Taktik, die uns vorgegeben wird. Lasst uns trotz der Ungewissheit, was dieser Gegner noch alles auf dem Kerbholz hat, einen kühlen Kopf bewahren. So wie der ehemalige Nationaltrainer Sepp Herberger bei der WM 1954. Der Ball wird selbst nach dieser Krise noch rund sein. Und ein Spiel wird auch dann noch 90 Minuten dauern. Am Ende werden wir vielleicht nicht ohne Blessuren aus den einen oder anderen Lebensbereichen rausgehen. Aber wir werden nach dem Schlusspfiff als Sieger vom Platz gehen. Da bin ich mir sicher.

 

Und dann kann auch bei uns in Südthüringen endlich wieder das Spiel angepfiffen werden, das zum Träumen, zum Leben einlädt. Dann kann vielleicht auch im Fußballkreis Südthüringen die Saison noch zu Ende gespielt werden. Ein guter Freund aus dem KFA sagte mir heute, dass man überlegt, die ausgefallenen Partien nicht nachzuholen. Die restliche Saison soll aber, sofern das dann noch machbar ist, ausgetragen werden. Jedoch ohne Punktevergabe. Es soll dann einfach nur um die Liebe zum runden Leder gehen. Den Pokal überlegt man jedoch, noch regulär auszuspielen. Dann gäbe es zumindest einen offiziellen Titel in der Saison 2019/2020.

  

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Hildburghausen vom 18.3.2020

  


Die Hoffnung auf Sparflamme

 

Der Sport im Landkreis Sonneberg ruht. So gut wie kaum Aktivitäten sind möglich. Das Ausmaß ist noch nicht überschaubar; zu sehr ist der Sport im gesamten Leben integriert. Stimmen aus der Region.

 

Von Lars Fritzlar

 

Susanne Traut, Kreissportbund/ Kreissportjugend

Die meist cool und optimistisch wirkende Powerfrau aus der Geschäftsstelle des Kreissportbundes in der Sonneberger Bahnhofstraße wirkt in diesen Tagen zweigeteilt. Klar will sie all den Anrufern, den teilweise Verzweifelten Mut machen und ihren eigenen natürlich nicht verlieren. Doch auch für sie ist das Kommende zurzeit zu ungewiss, viel zu ungewiss. Susanne Traut ist aber eine Kämpfernatur. Selbst am Tag, als sie die Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr schließen muss. Selbst die Tage zuvor, als sie das lang geplante Dance-Festival (22. März) und den Weiterbildungskurs „Ein starker Rücken" (20. März) vom Terminkalender streichen muss. „Wir arbeiten nun von daheim aus und haben eben keinen Kundenkontakt", meint sie am Telefon. Ins Grübeln kommt sie, wenn sie an die nahenden Osterferien denkt. „Eigentlich habe ich da ein volles Programm", verrät sie. Aber wenn dann immer noch die Turnhallen geschlossen seien, „können wir nichts machen". Die „kontaktfreie" Zeit nutzt Traut aber, um Bürokram zu erledigen. „Verwaltungstechnisch" gebe es da genug zu erledigen. All „die Sachen, die sonst kaum zu schaffen sind." So lägen 300 Briefumschläge vor ihr, die befüllt werden sollen. Und dann soll ja am 9. Mai der „Tag des Sports und der Gesundheitsförderung" (ähnlich der „Sportmeile") gefeiert werden. „Den bereite ich jetzt erst einmal vor, so gut es geht." An jenem Tag soll auch das große Kartrennen stattfinden. „Ob das wohl alles so klappt?", fragt sie. Den Optimismus hat Susanne Traut aber nicht verloren. „Wissen Sie, diese Zeit gerade, sie holt uns auch zurück. Wir denken an Menschen, die uns wirklich wichtig sind", philosophiert sie und schiebt nach: „Ich hoffe nur, dass das Wetter so bleibt, damit wir wenigstens raus können."

 

Christian Häusler, Fußballtrainer beim SV 08 Steinach

 

„Eigentlich wollten wir am vergangenen Samstag noch einmal trainieren – das haben wir abgesagt", blickt Christian Häusler eine halbe Woche zurück. Damit hätte man auch dem Schreiben des Bürgermeisters Rechnung getragen, öffentliche Veranstaltungen und auch den Sportstättenbetrieb zu vermeiden. Der Lehrer an der SBBS ist am Dienstag noch „im Amt", also in der Schule und „füttert" seine Schüler mit reichlich Hausaufgaben. Für seine Fußballer beim Landesklasse-Vertreter SV 08 Steinach gibt’s die Hausaufgaben natürlich auch. „Wir haben einen individuellen Trainingsplan aufgestellt", verrät Häusler. Nur wie die Fußball- Saison weitergeht, weiß er nicht. Der Landesverband bittet nun um Stellungnahmen – bis Freitag. „Von Amateurfußballern kann man nun nicht mehr erwarten, dass sie nach so einer langen Pause einfach wieder in den Spielbetrieb einsteigen – ohne Training. Das weiß doch jeder, der irgendwas mit Sport zu tun hat", sagt der Fußball-Lehrer aus Steinach. Allerdings fehlen ihm die klaren Ansagen – vor allen von jenen, die in der Verantwortung stehen.

So aber könne man nur mutmaßen. „Uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Saison abzubrechen. Denn die Saison jetzt zu verlängern, bringt nur noch mehr Chaos. Wir können nicht bis in den Sommer hinein spielen", so Häusler.

Möglich wäre, dass aufstiegswillige Mannschaften, die derzeit in den Fußballtabellen oben stehen, auch aufsteigen und so manche Ligen darum ab Herbst mit mehr Mannschaften spielen. Aus Fairnessgründen rät er aber davon ab, bei einem Saisonabbruch nun auch das umgekehrt bei Absteigern anzuwenden. „Die einen haben 17 Spiele, die anderen 14. Wir hatten zum Beispiel schon Spiele bei Mannschaften, die in einer ähnlichen Situation wie wir sind", ergänzt Häusler. Und ein Unterschied bestünde eben schon noch zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Auch halte er vorgezogene Relegationsspiele für „unvorstellbar". „Ich bin schon dafür, dass Erfolg belohnt wird", stellt er klar, doch „jetzt festzulegen, wer absteigt, wäre unfair." Stattdessen sollte ein Sieger im Landespokal ermittelt werden, um das Startrecht im DFB-Pokal klar zu definieren.

Wichtig sei für den Fußballer Häusler auch, dass der TFV, aber vor allem der DFB, nun mal „klare Ansagen macht" und sich an gesellschaftspolitischen Festlegungen orientiere. „Tut er aber nicht." Der Mensch Häusler sieht die Situation etwas anders: „Der Fußball kann sich nicht so wichtig nehmen. Wir sollten jetzt vielmehr an die Versorgung von alten Menschen, von Hilfsbedürftigen denken." Der Staat habe das Recht, Beamte, auch Lehrer wie mich, nun genau da einzusetzen. „Da zeigt sich Krisenmanagement", betont er. Doch das funktioniere ganz schlecht, wie beim DFB auch. „Dabei brauchen wir gerade jetzt klare Ansagen."

  

Thomas Langhammer, Rennrodel-Trainer

 

„Ich bin nicht arbeitslos", meint Thomas Langhammer am Telefon. Klar gebe es momentan keinen Sport, aber „ich kann jetzt Sachen machen, die bei uns jahrelang liegen geblieben sind." Und da hat ihn das schlechte Gewissen eingeholt. „Vor zwei Jahren haben wir sechs neue Schlitten gekauft; die kann ich jetzt so herstellen, dass sie fahrbereit sind", verspricht Langhammer. Das dürfte seinen Schätzungen zufolge gut 30 Stunden in Anspruch nehmen – wohlbemerkt pro Schlitten. Das Zeitaufwendigste daran seien die Kufen, die in einer Grundform geliefert werden und darum erst gebogen und geschliffen werden müssen. „Das ist eine extrem zeitaufwendige und filigrane Arbeit", erläutert Langhammer. Müssen doch die Schienen auf den hundertstel Millimeter genau gebogen werden. Dafür sei aber die jetzige Zeit genau die richtige. Langhammer ist im Auftrag des Landesverbandes Trainer des RRV Sonneberg/Schalkau und der B-Jugend- Landesauswahl. Seine Schützlinge haben nun zwar keine Schule, so ganz ohne Training werden die kommenden Tage aber nicht verlaufen.

Seine Kids beim RRV habe er „die Woche erst mal freigestellt. Sie sollen sich nur bewegen", meint Langhammer. „Sie freuen sich erst mal, dass schulfrei ist. Und da werde ich sie auch nicht überbelasten", erklärt er weiter, geht dann aber doch noch ins Detail. Für kommende Woche erhalte jeder einen individuellen Trainingsplan. „Grundfertigkeiten wie Ausdauer – das soll schon drinbleiben", meint er. Ohne Corona wäre man wohl in diesen Tagen in die Turnhalle gegangen und hätte sich dem Gerätturnen gewidmet. Hauptsächlich darum, um solche Fähigkeiten wie Gleichgewicht und Balance zu schulen. Nun hoffe er, dass die Kids in der Natur trainieren. Zwar sei man körperlich in keinem Kontakt, doch via Whats- App verbunden. „Sie müssen beim Training draußen eh das Handy dabei haben. Falls ihnen was zustößt, können sie so Hilfe rufen", erklärt Langhammer. Nun werde man eben jenen Kommunikationskanal auch dazu verwenden, um Trainingspläne, sogar Videos auszutauschen. „Das geht damit ganz schnell", zählt der Coach die Vorteile auf. Und ganz wichtig sei ihm auch, die „Laune in der Gruppe am Laufen zu halten."

 

Nur wie lange? Der in Mausendorf wohnende Langhammer blickt voraus auf die zweite Osterferienwoche. Traditionell startet dort im anderen Schalkauer Ortsteil, in Ehnes, das Sommerrodeln. Dafür werden nächste Woche die Stahlschienen der Schlitten durch Schienen mit Rollen ersetzt. Am 16. April soll es auf der Sommerrodelstrecke eigentlich talwärts gehen – bei den Großen mit bis zu „70 Sachen", verrät er und ergänzt: „Ich habe das noch nicht abgesagt." Der Trainer hofft, dass sich die Lage bis Ostern entschärft. Und streng genommen, sei man da eigentlich nicht gruppenweise zusammen. „Sie nehmen ihren Schlitten, setzen sich drauf und fahren runter." Da gebe es so gut wie keinen körperlichen Kontakt. Doch würden sich die Auflagen verschärfen, müsste Langhammer wohl auch reagieren und das Rodeln absagen. In Sachsen hätte man den FIL-Cup in Zwickau, der aber erst am 2. Mai stattfinden sollte, schon jetzt vorsichtshalber abgesagt. „Wenn es nicht besser wird, müssen wir da wohl nachziehen", meint der Trainer, dessen Stimme nun die Farbe wechselt – von vorsichtig optimistisch in eher besorgt, traurig. Musste er doch schon schweren Herzens die Geburtstagsparty seines 18-jährigen Sohnes absagen, „nein, verschieben", korrigiert sich Langhammer selbst und lässt damit seine Hoffnung auf Sparflamme köcheln.

  

Christian Kökow vom 1. Sonneberger Volleyballclub, Vorsitzender

 

An sieben Wochentagen sind die Sonneberger Volleyballer im März in irgendeiner Halle zu finden. Irgendeine Gruppe hat Training, ein Punktspiel oder einen Wettkampf zu absolvieren. Das war bisher die Normalität. „Dass der Spielbetrieb eingestellt und die Saison für beendet erklärt wurde, ist – aus sportlicher Sicht betrachtet – natürlich schade. Vor allem deshalb, weil gerade im Nachwuchsbereich noch einige Höhepunkte anstanden. Beispielsweise die U18-Regionalmeisterschaft bei den Mädchen", erklärt Christian Kökow. Auch hatten sich die Volleyballerinnen im bundesweiten Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia" für das Bundesfinale in Berlin qualifiziert. Dieses wurde aber noch nicht abgesagt. Vergangenen Freitag trafen sich die Volleyballer zum wöchentlichen Abschlusstraining. Das Wort Abschlusstraining" sei da wohl jedem in einer anderen, viel drastischeren Art vorgeführt worden, denn zu einem Training wird man sich in den nächsten Wochen nicht mehr treffen. Entsprechend sei auch die Stimmung gewesen. „Allen war klar, die Saison ist gecancelt worden", berichtet Kökow und ergänzt: „Wir warten auf Aussagen des DVV. Und daran wird sich sicherlich auch der Landesverband orientieren. Und auch wir werden daran nichts ändern können", meint Kökow und gibt zu bedenken: „Es wäre schwierig geworden, hätten wir die Saison nur unterbrochen und vielleicht im Mai wieder angefangen." Da gehe man schon raus, auf Sand, begründet der Vereinschef. „Das hätte sicherlich nicht funktioniert." Welche Aufstiegs- und Abstiegswertungen es nun geben wird, weiß Kökow nicht. „Sicherlich muss man den Ausgang einer Saison entsprechend würdigen – mit Auf- und Abstieg, aber jedem wird man es wohl nicht recht machen können." Hart treffen könnte es im ungünstigsten Fall auch seinen Verein – in puncto Aufstieg, aber auch Abstieg. Wichtig ist für den Vollblutvolleyballer, was aus den vereinseigenen Veranstaltungen werden soll – wie beispielsweise das traditionelle Poser-Gedenkturnier (26. April) oder der Firmencup (24. April). „Wir halten daran fest, eine Woche nach der Sperrfrist spielen zu dürfen. Und wenn wir es dürfen, machen wir es auch." Die volleyballfreie Zeit nutzt Kökow trotzdem. Vereinsmäßig gebe es da beispielsweise noch viel zu organisieren. Und „ganz auf sportliche Betätigung kann ich nicht verzichten", wie beispielsweise das beinahe tägliche Läufchen.

  

Kati Nimz, Leichtathletik-Trainerin beim LA Sonneberg

 

Frühzeitig reagierte der Verein auf die Corona-Krise, versendete bereits vergangene Woche Mails an alle Mitglieder, Übungsleiter, Trainer, Eltern und Trainingskinder und sagte den gesamten Trainingsbetrieb bis zu den Osterferien ab. „Unsere Gesundheit hat Vorrang gegenüber unseren sportlichen Zielen", postete der Verein via Facebook. Klar steht jetzt auch Trainerin Kati Nimz vor der Frage: „Was mache ich mit meinen Großen, wenn das Training jetzt drei, vier Wochen ausfällt?" Mit „Großen" meint sie die Kids ab zwölf. Nimz hat jetzt keine fertige Lösung. „Ich werde in dieser Woche Trainingspläne zusammenstellen", erklärt sie. Bestimmte Übungen seien überall trainierbar – „das Lauf-Abc vor dem Haus oder Stabi-Übungen im Kinderzimmer." Dann denkt Nimz auch über einen Laufplan für jeden ihrer Schützlinge nach, um wenigstens die Grundausdauer zu behalten. „Ich habe noch nichts Festes gebastelt", erklärt sie und fügt an: „Das sind nun erst mal meine Hausaufgaben." Via WhatsApp will sie dann den Kontakt aufrechterhalten. „Vielleicht battlen wir uns auch im Chat, wer wann was wo gemacht hat. Da bin ich aber noch in der Findungsphase."

Ob der für den 25. April vorgesehenen Frühjahrscrosslauf am Bettelhecker Viadukt ausfällt, will Nimz noch nicht bestätigen. „Den können wir auch noch einen Tag vorher absagen", erklärt die Sonnebergerin. Solltenalle Stricke reißen, könnte man diesen Crosslauf auch zum Ende der Saison, im Herbst, nachholen. Wichtig seien ihr da auch noch andere Termine wie beispielsweise der vom Landesverband ausgeschriebene Tag der Kinderleichtathletik (10. Mai) und das Sportfest der Sonneberger Leichtathleten (6. Juni). „Ich versuche, Ruhe zu bewahren", meint Kati Nimz. Und der Spielzeuglauf im August? „Da bin ich noch sehr entspannt. Entweder wir überleben bis dahin, oder wir haben uns mit unserer Hysterie ausgerottet."

  

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Sonneberg vom 18.3.2020

 


Vom Leder gezogen

 

Euer Willi Ballermann

 

Für was wir nie Zeit hatten ...

 

Das Coronavirus hat uns alle fest im Griff – ob die Sportlichen oder Unsportlichen. Egal. Selbst Ballermänner wie ich leiden und jammern – „auf hohem Niveau", versteht sich. Doch bei all meinem Humor – ich versuche, so gut es eben geht, mich an die Weisungen der Experten zu halten. Das erwarte ich aber auch von allen anderen. Achtet auf eure und auch die Gesundheit der anderen. Nur, was tun mit all der überschüssigen, fußballfreien Zeit? Da ja nun auf den Sportplätzen nichts los ist, nichts, worüber ich mir das Maul zerfetzen, worüber ich vom Leder ziehen könnte, habe ich mir eben Gedanken um unseren Fußball, hier in der Region, gemacht. Über die, die hier was zu sagen haben im Fußball, über unsere oft kritisierten, aber auch fleißigen Funktionäre. Zur Erklärung: Dazu gehören eben jene Männer (eher weniger Frauen), die Beschlüsse fassen, von denen der normale Fußball- Fan nicht viel mitbekommt. Ich habe mich schlau gemacht, meine grauen Zellen angestrengt, sogar mein Oberstübchen defragmentiert, um zu sehen, wann das letzte Mal eine Verlautbarung unseres KFA öffentlich gemacht wurde. Öffentlich – damit meine ich natürlich, dass es im „Blatt", im „Freien Wort", gestanden hat. Die Suchmaschine und das Archiv zucken hoffnungslos mit den Schultern. Was Offizielles von Dittmar Börner finde ich gefühlt einmal im Jahr in meiner Zeitung. Zu wenig, meine ich. Entweder haben da die Kollegen in der Sportredaktion versagt, oder das Thema „wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit" ist noch nicht durchgedrungen bis zum KFA. Sei’s drum. Der schnöde Fingerzeig allein tut’s auch nicht. Lösungen müssen her. Und was das angeht, bin ich Ballermann immer voller Tatendrang (und Fantasie). Ganz klar, die Börners & Co. müssen sich „unters Volk mischen", mehr als bis dato. Müssen mit Sportvereinen, mit Sportredakteuren, mit Bürgermeistern und Entscheidungsträgern debattieren und die (abgesehen von Corona) großen Probleme dieser Fußball-Zeit anpacken.

 

Womit wir schon bei meinem Lieblingsthema wären. Ja, da werde ich zum Schandmaul. Die Zustände auf den meisten Fußballplätzen in der Region sind eine blanke Katastrophe – aber schon seit Jahrzehnten. Klar versprechen uns Politiker vor jeder Wahl, sich um die Förderung der Kultur und des Sports" zu kümmern, es ganz oben auf ihre „Agenda" zu setzen. Und klar wird da auch viel getan, viel Gutes abgeliefert. Doch sind wir mal ehrlich: Wo sollen unsere Kinder im Winter Sport treiben, wenn die meisten Hallen ausgebucht sind und es – wie in Sonneberg beispielsweise – zwar zwei gut bespielbare Fußballplätze gibt, die jedoch nach zwei Regentropfen für unbespielbar erklärt werden? Das wird seit Jahren praktiziert. „Einfach nur traurig", verriet mir ein Thüringenliga-Spieler des 1. FC Sonneberg 2004 nach der neuerlichen, nicht virus-, sondern platzbedingten Spielabsage. Geht das weiter so, steht zwar in Sonneberg  ein schönes Wirtschaftsgebäude im Stadion, nur die Fans bleiben dann lieber daheim. Also kümmert euch! Und wenn ihr dann noch ein wenig Zeit übrig habt, dann widmet euch dem Frauenfußball. Die Lage dort ist ernsthaft beängstigend. Zwar halten hier zwei, drei Vereine in der Gegend die Frauenfußball-Flaggen ganz hoch, nur wenn nach und nach die Konkurrenz aufgibt, gehen bald auch beim Ladys-Kick die Lichter aus.

 

Ihr seht, trotz Corona und nur scheinbar mehr Zeit gibt es kaum Freizeit, kaum freie Zeit, denn die Probleme werden nicht kleiner, nicht weniger.

 

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Sonneberg vom 18.3.2020

 

TFV befragt Vereine zur Fortführung der Saison

  

Erfurt – Der Thüringer Fußballverband (TFV) möchte angesichts der Corona-Krise ein Stimmungsbild zur Fortführung seines Spielbetriebes auf Landesebene in den Vereinen einholen und hat dazu eine Umfrage initiiert. TVF-Spielobmann Sven Wenzel schreibt dazu: „Zunächst haben wir in Thüringen eine Komplettsperre bis zum 31. März. Jedoch ist aufgrund der bereits durch einzelne Kommunen und Landkreise verfügten Sperren bereits heute mindestens bis Ostern mit weiteren Spielausfällen zu rechnen."

 

Die Umfrage, die zunächst bis zum 20. März datiert ist, soll laut TFV als Grundlage für eine erste folgende Beratung des Spielausschusses dienen. „Die Umfrage hat keine rechtliche Bindung, sondern  dient der Erfassung eines Meinungsbildes", heißt es. Konkret geht es um 13 Angaben, bei denen die Vereine aus drei bis vier Optionen auswählen können. Das betrifft die Fortsetzung des Punktspielbetriebs, die Verlängerung der Saison, den Abbruch der Saison, die Pokalwettbewerbe, die Saisonwertung bei Abbruch, die Playoff-Runde, den Saisonbeginn 2020/21, den aktuellen Trainingsbetrieb und eventuelle Ideen und Denkanstöße zum Thema. ger

   

Quelle: www.tfv-erfurt.de vom 17.3.2020

 


Ein Virus bringt den Fußball in Südthüringen zum Erliegen: Befürchtungen, Hoffnungen, Reaktionen

„Es ist ein sehr komisches Gefühl"

 

Geisterstimmung auch in Südthüringen. Nicht mal der Amateurfußball darf für Ablenkung sorgen. Stattdessen geht es um Corona und den Rattenschwanz an Fragen.

 

Von Carsten Jentzsch

 

Eigentlich sollte die höchste Spielklasse des Fußballkreises Südthüringen am vergangenen Wochenende in die zweite Saisonhälfte starten. Zeit, dass sich was dreht. Eigentlich! Stattdessen sind die Plätze an diesem zweiten Märzwochenende wie leer gefegt. Ob in Erlau, Milz, Schönbrunn oder andernorts. Doch nicht nur in der Kreisoberliga ruht der Ball, auch in allen anderen Ligen. Egal ob im Männer-, Frauen- oder Nachwuchsbereich. Rote Karte für König Fußball heißt es auch auf Landesebene. In allen Fußballkreisen des Freistaats bleibt die Pfeife stumm. Es ist eine Zwangspause. Folge eines neuartigen Virus, Folge der Corona-Pandemie 2020.

Eine Situation, die mehrere Nachkriegsgenerationen so nicht kennen. Eine Situation, die viele Fragen aufwirft. Auch im Sport, auch im Fußball. Was machen wir jetzt? Wie geht es weiter? Inwiefern beeinflussen weitere Auflagen der Behörden das Training, das Vereinsleben? Fragen, die dabei ebenfalls heiß diskutiert werden: Was wäre, wenn sich die Krise weiter zuspitzt? Droht dann der Supergau, der vorzeitige Saisonabbruch?

 

Auch Dittmar Börner, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses Südthüringen, macht sich in diesen Tagen seine Gedanken. Seine Hoffnung: Der Spuk hat bald ein Ende. Im April kann wieder gespielt werden. Seine „große" Befürchtung: Es könnte länger dauern. „Man muss mit allem rechnen", sagt er. Sollte Zweites tatsächlich eintreten, dann dürfte es immer schwieriger werden, die Saison 2019/2020 noch zu Ende zu führen. Das weiß auch Börner. „Drei, vier Spieltage können wir noch aufholen, aber dann ist Schluss", sagt er, der sich wie auch viele andere in diesen Zeiten eine klarere Linie von oben wünscht.

„Die Bundesregierung hätte von Anfang an eine einheitliche Regelung treffen müssen. Es kann nicht sein, dass jedes Land, jeder Kreis sein eigenes Ding macht", sagt er und spielt dabei auch auf den teilweise chaotischen Domino-Effekt an. Zeit, und Nerven, die man sich eigentlich sparen könnte? Immerhin entsteht dieser Tage nicht selten der Eindruck, dass die Steine am Ende sowieso alle fallen. Schließlich will sich niemand vorwerfen lassen, im Kampf gegen das Virus weniger getan zu haben als der andere. Eine Diskussion, ob es richtig oder falsch ist, den Spielbetrieb zu unterbrechen, will er damit jedoch nicht aufkommen lassen. „Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Dieses Virus scheint schwer einschätzbar zu sein", so der Vorsitzende des KFA Südthüringen, der seit Samstagnachmittag noch ein paar Sorgenfalten mehr mit sich rumträgt.

 

Da hatte das Landratsamt Hildburghausen eine noch strengere Auflage erlassen. Hieß es am Donnerstag in der Allgemeinverfügung noch, dass Veranstaltungen, Vergnügen und sonstige Ansammlungen, egal ob öffentlich oder nichtöffentlich, egal ob in geschlossenen Räumen oder unter freiem Himmel, ab einer Teilnehmerzahl von über 100 Personen untersagt sind, sind es seit Sonntag, 0 Uhr, sämtliche. Die Teilnehmerzahl spielt keine Rolle mehr. Damit gehen die Hildburghäuser Verantwortlichen sogar noch einen Schritt weiter als das Landesverwaltungsamt Thüringen, welches am Wochenende Veranstaltungen und Menschenansammlungen mit mehr als 50 Personen im ganzen Freistaat untersagt hatte. Und das bis 10. April. Das heißt wiederum: Die vom KFA Südthüringen bis auf einschließlich 31. März ausgelegte Spielunterbrechung ist hinfällig. Die Geisterstimmung hält länger an. Betroffen sind nunmehr vier Spieltage an denen die Plätze leer bleiben. Der Fußballkreis Südthüringen steht an der Schwelle eines historischen Saisonabbruchs. „Ich gehe fest davon aus, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird", sagte Dirk Forkel bereits am Freitag. Der Trainer von Kreisoberligist Schleusegrund Schönbrunn hegt starke Zweifel, dass die Situation so schnell unter Kontrolle zu bringen ist, dass das deutsche Gesundheitssystem nicht völlig zusammen bricht. Doch selbst im Falle einer vorzeitigen Saisonabbruchs gibt es verschiedene Szenarien.

 

Szenario eins: Die große Pause. Die Saison wird zunächst abgebrochen, doch die noch ausstehenden Partien werden nachgeholt. In den Monaten Juni, Juli, August wird die Saison – vorausgesetzt die Situation ist unter Kontrolle – beendet. Eine Variante, die unter Südthüringens Kickern durchaus Anklang findet. „Wir regen uns immer auf, dass wir mit dem Spielen aufhören, wenn eigentlich das schönste Fußball-Wetter beginnt. Da könnte man das doch locker mal nach hinten schieben. Ende August oder im September fangen wir dann mit der neuen Saison an", sagt beispielsweise Daniel Eppler, Vorsitzender des SV 07 Milz. Zwar stößt diese Variante durchaus auf offene Ohren, doch sie hat auch einen Haken. So bluten die Vereine im Amateursport in den Sommermonaten nicht selten aus, Spiele könnten zur Farce geraten, könnten ausfallen, Wettbewerbsverzerrung droht. Zudem müssten die Wechselfristen geändert werden. Auf die Ehrenamtlichen käme bei den Neu-Terminierungen eine Heidenarbeit zu. „Das ist nicht zu packen", schließt KFA-Vorsitzender Dittmar Börner diese Variante kategorisch aus.

 

Szenario zwei: Play-Offs. Die ersten vier Mannschaften spielen um den Titel; die letzten vier Teams dagegen um den Klassenerhalt. „Es wäre schon schön, eine sportliche Lösung zu finden. Allerdings müssten dann auch die Mannschaften im Tabellenmittelfeld die Platzierungen ausspielen", so Falk Kirchner, Mannschaftsleiter von der SG Goßmannsrod/ Oberland, die aktuell Platz sieben in der Kreisoberliga belegt.

 

Szenario drei: Ein Szenario, das abhängig von den Entscheidungen des Deutschen Fußballbundes und der Deutschen Fußball-Liga in der höchsten deutschen Spielklasse der Bundesliga ist. Die Saison wird abgebrochen. Allerdings wird die 1. Bundesliga mit den ersten vier Teams der zweiten Liga aufgestockt. Offizielle „Meister" gibt es jedoch nicht. Eine solche Maßnahme hätte dann auch Konsequenzen für die unteren Ligen.

 

Szenario vier: Der Supergau: Die Saison wird annulliert. Es gibt keinen Meister, keinen Pokalsieger, keine Absteiger. Alles auf null. Man tut quasi so als hätte es die Saison 2019/ 2020 nie gegeben. Eine solche Variante befürwortet Schönbrunns Trainer Dirk Forkel. In Anbetracht der ganzen Komplikationen, die andere Alternativen mit sich ziehen würden, sei das „vermutlich der beste Weg", so Forkel. Es sei sicherlich kein schönes Gefühl, oben zu stehen, die Möglichkeit zu haben, eine Spielklasse aufzusteigen, „doch es gibt Situationen im Leben, für die niemand was kann", sagt er und spielt dabei auf Szenario drei und eine vielerorts dann durchaus berechtigt empfundene Ungerechtigkeit an. Ähnlich sieht es auch Markus Lauth, Trainer von Kreisoberligist Schleusingen.  Wenngleich er eine Play-Off-Variante durchaus als attraktiv empfindet. Allerdings betont auch er, dass dieses Szenario mit zu viel „Wenn" und „Aber" verbunden ist.

 

Planungssicherheit gibt es hier ebenfalls nicht. Dass das Gefühl von Sicherheit in diesen Tagen nicht gerade zu den Konstanten zählt, mussten die Schleusinger am Samstag am eigenen Leib erfahren. Aufgrund der neuen Festlegung des Landratsamtes wurde die Jahreshauptversammlung des Sportclubs aus der Burgstadt kurzfristig abgesagt. Auch das Mannschaftstraining findet vorerst nicht mehr statt. Stattdessen hat der Trainer des Aufsteigers seinen Spielern einen individuellen Trainingsplan zukommen lassen. „Das Training beinhaltet selbstverständlich nicht nur Läufe, sondern auch das Training mit dem Balance Pad, der Black Roll oder dem Theraband. Das benutzen wir ohnehin im Training. So können wir die Athletik und die Beweglichkeit der Spieler fördern und fordern", berichtet er. Zudem erwartet der Trainer zwei Mal die Woche eine Rücksprache mit den Spielern. Telefonisch, per WhatsApp und persönlich.

 

Ähnlich sieht es auch bei anderen Vereinen aus. Die Spieler sollen sich mit individuellem Training fit halten. Von Trainingsplänen für zu Hause hält Schönbrunns Trainer Dirk Forkel dagegen nicht viel. „Da macht doch eh keiner was. Komm heute nicht zum Training, geh selbst laufen, gehört im Übrigen zu den besten drei Ausreden im Amateurbereich", berichtet er. Ob andernorts Mannschaften weiterhin gemeinsam trainieren, ist nicht auszuschließen. Der Begriff der Versammlung ist immerhin sehr dehnbar. Ähnlich sieht es auch Falk Kirchner von der SG Goßmannsrod/ Oberland bei der am Sonntagvormittag das Training ebenfalls abgesagt worden ist. „Wie definiert man so etwas?", fragt er. Wenn es danach ginge, dürfte man auch nicht in den Betrieb oder ins Büro gehen. „Und da gibt es nochmal weit mehr Leute, mit denen man in Kontakt kommt als mit zehn, elf Mann beim Training. Ich sehe das etwas problematisch", sagt er. Weiterhin auf dem Platz trainieren und das Risiko eingehen, dass jemand juristisch gegen den Verein vorgeht, wolle man jedoch nicht eingehen. Auch wegen dieses Themas glüht bei KFA-Vorsitzendem Dittmar Börner seit Samstag der Draht seines Telefonapparats. Doch mehr als Trost spenden kann Börner in diesen Tagen auch nicht. Wenngleich auch er seine Meinung zu diesem Thema hat. „Wenn wir so weit gehen, dann müssten auch die Kaufhallen geschlossen werden", sagt er.

 

In Zella-Mehlis stellt sich diese Definitionsfrage zumindest in Sachen Training auf dem Platz inzwischen nicht mehr. Da hat die Stadt bereits am Freitag alle Turnhallen und sogar Sportplätze gesperrt. Das Training der WSG Thüringer Wald Zella-Mehlis, Kreisklasse-Vertreter im KFA Rhön-Rennsteig, wurde am Freitag kurzfristig abgesagt. Ob solche Auflagen auch im Landkreis Hildburghausen folgen?

Generell weiß niemand so recht, wie es weitergeht, und welche Einschränkungen möglicherweise noch kommen werden. Für Dittmar Börner gibt es jedoch schon jetzt kaum eine andere Alternative als einen Saisonabbruch. Doch dazu wolle man sich im KFA Südthüringen Ende März nochmal gemeinsam beraten. Bis dahin bleibt Börner in Kontakt mit Funktionären anderer Fußballkreise im Freistaat. Wie er die fußballfreie Zeit ansonsten nutzt? „Ich habe noch einen Berg Papierkram auf dem Schreibtisch liegen. Es gibt immer was zu tun", sagt er. Langweilig wird es jedenfalls nicht so schnell.

 

Wenngleich Daniel Eppler vom SV 07 Milz angesprochen auf die fußballfreie Zeit und ruhende Sportplätze mit seiner Aussage „Es ist ein sehr komisches Gefühl" wohl vielen aus der Seele sprechen dürfte. Leer gefegt: Auch in Schönbrunn und in Sachsenbrunn hat das neue Virus Auswirkungen auf das Leben. König Fußball muss aussetzen. Die Folge: Auch hier bleiben die Einnahmen aus. „Wobei ich denke, dass es bei uns im Amateurfußball immer noch geht", so Falk Kirchner, Mannschaftsleiter von Kreisoberligist SG Goßmannsrod/Oberland. Bei der Spielgemeinschaft erziele man nicht in jedem Heimspiel einen Gewinn. „Prinzipiell bezahlen wir mit den Einnahmen die Schiedsrichter", so Kirchner.

 

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Hildburghausen vom 16.3.2020

 


Kommentar

Vorbilder oder Vollidioten

 

Von Felix Böhm

 

Also, eines ist mal ganz klar: Fußball gehört zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. Ich liebe dieses Spiel, liebe es, darüber nachzudenken, darüber zu reden, darüber zu schreiben, es zu spielen. Zum Glück, denn auch das macht den Sport so großartig, gibt es so viele Fußballverrückte wie mich, die sich ihrem Team, dem Amateurfußball verschrieben haben und selbstverständlich auch gerne in vollen Bundesligastadien sind und ihrem Club zujubeln. Aber – und es war ja irgendwie klar, dass das jetzt kommt – ich habe das Zögern einiger nicht verstehen können, kann nicht nachvollziehen, wie Menschen verantwortungsvolles Handeln scheinbar immer noch „Panikmache" nennen. Sind wir Fußballverrückten so in unserem Kosmos, dass wir denken, die Einhaltung unserer Spielpläne stünde über einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, der Gesundheit von Menschen?

Für mich geht es auch darum zu verstehen, dass man eben nicht immer nur Verantwortung für sich selbst übernehmen muss. „Und wenn ich es habe, wird es nicht so schlimm. Nur wie eine Erkältung", hört man da. Wer nur simple Zusammenhänge versteht, muss feststellen, wie dämlich solche Aussagen sind. „Das Durchschnittsalter der tödlichen Verläufe in Italien liegt bei über 80 Jahren", hört man da ebenfalls. Eine Aussage, so lapidar sie manchmal getätigt wird, sodass man sich schämen darf. Es hört sich manchmal an, als ob es auf diese Menschen gar nicht ankäme. Sie sind ohnehin alt und krank. Manchmal habe ich den Eindruck, als würden einige das als Kollateralschaden betrachten. Pfui, kann ich da nur sagen. Was, wenn es um eure Oma, Mutter, Tante geht?

 

Nun beraten diejenigen, die halt was zu sagen haben im Fußball, im Sport und überhaupt bei Veranstaltungen über Geisterspiele, Teilnahmebegrenzungen und Absagen. Erster Impuls als ich Geisterspiele hörte? Fand ich gut, verantwortungsvoll. Aber das war eine fromme Illusion, die schnell verpuffte. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach feiern die Fanmassen, die sich vor dem Stadion versammelten nach dem Spiel? Wie bitte? Denkt da eigentlich einer nach? In Paris sollen beim Champions League- Spiel Tausende vor dem Stadion gewesen sein. PSG-Spieler Layvin Kurzawa hüpfte jubelnd in einen Pulk Fans. Diego Costa hustete nach dem Spiel in Liverpool – es sollte wohl ein Witz werden – einen Journalisten mit Absicht an und grinste. Vorbilder? Vollidioten! Andere Veranstalter hatten aufgerufen, bei Tickets schnell zuzugreifen, weil man maximal 999 Tickets hat – Veranstaltungen ab 1000 Personen wurden verboten. Es wird sich lächerlich gemacht über die Entscheidungen derer, die Verantwortung übernehmen.

Ehrlich? Eine Veranstaltung mit 999 durchzuführen ist ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die alles tun, um Gesundheit zu schützen. Scheinbar verstehen einfach zu viele Leute nicht, dass sie auch verantwortlich sind, wie es mit dem Virus, das wie eine Biermarke heißt, weitergeht. Es geht nicht um Panikmache. Für die, die meinen, dass aufgrund relativ geringer Fallzahlen in ihrer direkten Umgebung keine Maßnahmen nötig seien, die haben sich noch nie so getäuscht. Simpelste Mathematik kann aufklären, was passieren wird. Darauf braucht man nicht zu warten. Es geht um Verantwortung für sich und andere. Fußball ist auch für mich die wichtigste Nebensache, aber manchmal nehmen wir uns zu wichtig. Und manchmal gibt es sogar Dinge, die wichtiger sind als Fußball.

 

Übernehmt Verantwortung und leistet euren Beitrag dafür, dass jeder, der Hilfe braucht, auch die nötige Versorgung bekommen kann. Das ist alles nur solange übertrieben, bis der eigene Großvater am Beatmungsgerät hängt.

 

Quelle: Freies Wort, Lokalsport Hildburghausen vom 14.3.2020

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